Fast 40 Teilnehmende folgten im Alten Volksbad zunächst drei Impulsbeiträgen:
- Die Sicht einer Bank auf die Finanzierbarkeit der Kreislaufwirtschaft im Baubereich zeigte uns Kay-Uwe Odenthal von der GLS Bank zu Beginn auf. Die Bank beschäftigt sich schon längere Zeit mit dem Thema, und unterstützt auch einzelne Anbieter. Jedoch berichtete er auch von der Schwierigkeit, konsequent auf Kreislaufwirtschaftsaspekte getrimmte Gebäude zu finden, und auch zu finanzieren. Denn es fallen einerseits bisher zu Beginn doch höhere Kosten an, die gestemmt werden müssen. Und andererseits sind Standards zur – auch finanziell – anderen Bewertung solcher Gebäude noch nicht in der Breite im Einsatz.
Kay-Uwe Odenthal brachte ein Beispiel eines eigenen Immobilienprojekts der GLS Bank mit: Der „Woodscraper“ in Wolfsburg orientiert sich sehr durchgängig an KLW-Prinzipien. - Claudius Frank von madaster Germany stellte unter anderem dar, welche nicht-monetären Indikatoren der Baubranche für die Finanzwelt von Interesse sind, um Kreislaufwirtschaftsaspekte zu bewerten. Hierzu zählen zum Beispiel der „Anteil von Sekundärmaterial in der Materialherkunft“, der „Anteil des Recyclingpotenzials in der Materialverwertung“ sowie die „Quote des Bestandserhalts bei Sanierungen/Modernisierungen“. Für die Effizienz der Datenerhebung von Bedeutung ist dabei, dass die mit verschiedenen Banken sowie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) gemeinsam entwickelten Indikatoren zugleich auf die EU Taxonomie sowie die DGNB-Zertifizierung einzahlen. Auch auf die kürzliche Veröffentlichung des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA, 2025) verwies Claudius Frank: Praktikable Nachhaltigkeits-KPIs für die Immobilienwirtschaft.
- Die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Stefanie Voit, Partnerin bei TS.advisory, motivierte dazu, das Thema pragmatisch in bestehende finanzielle Bewertungsmethoden für Gebäude und auch Unternehmen einzubeziehen. Zum Beispiel zeigte sie auf, wie bei der Bilanzierung der Rohstoffrestwert als Grundlage für die Bemessung planmäßiger Abschreibungen einbezogen werden kann, und zu positiveren Bewertungen führt. Auch andere gängige Bewertungsverfahren wie zum Ertragswert (DCF) sind geeignet, um den Sachverhalt des Rohstoffrestwerts adäquat abzubilden. TS.advisory hat dazu Berechnungsanwendungen entwickelt, die sowohl für die objekt- sowie die unternehmensbezogene Betrachtung Darstellungen ermöglichen.
Anschließend gab es Kleingruppen zu drei verschiedenen Themenfeldern:
- „Finanzielle Anreize und Fördermöglichkeiten“
Hier ging es im Kern um Fördermöglichkeiten durch die EU, die dankenswerterweise spontan von Melanie Gralow vom Steinbeis Europa Zentrum skizziert wurden. Aber auch Hemmnisse kamen zur Sprache, wie zum Beispiel in kommunalen Kontexten, wenn die Argumentation langfristig wirtschaftlicher Vorteile aufgrund von aktuellen Finanzengpässen nicht schwer genug wiegt. - „Herausforderungen der Umsetzung, Plausibilisierung der Argumentation“
Diese Gruppe sammelte Hemmnisse und zugleich Ansätze für deren Überwindung. Zu den Hemmnissen zählen unter anderem Haftungsthemen und fehlender Mut, Wissenslücken sowie zu niedrige Preise für fossile Rohstoffe. Als Lösungsansätze wurden mehr Kreativität, ganzheitlichere sowie innovative Ansätze für die KLW vorgeschlagen. - „Pilotprojekten/Best Practice Beispielen in der Region“
Der umfassende Ansatz der „Zukunftsdörfer“ stand hier im Mittelpunkt. Denn auch hier ist das Prinzip, Kreisläufe möglichst lokal/regional zu schließen, ein wichtiger Grundpfeiler. Insbesondere die Aktivitäten der Bürgerstiftung Pfalz mit der „Zukunftsdorf eG“ stießen auf großes Interesse durch die Darstellung von Thomas Hann.
Fazit der Veranstaltung aus Sicht des Fair Finance Institutes:
Es ergeben sich durch die Kombination verschiedener Ansätze (u.a. Gebäudematerialkataster, Standard-Indikatoren und Berücksichtigung in Finanzbewertungen) neue Chancen, das Thema auch verstärkt in der Finanzierung vorteilhaft wirksam werden zu lassen. Jedoch ist es noch ein gutes Stück Arbeit, bis es in der Breite ankommen wird.
Die vom FaFin organisierte Veranstaltung wurde wie in den Vorjahren wieder von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim unterstützt und fand dieses Mal im Rahmen des Projekts „COLL€CT“ statt (finanziert von der EU). Die gemeinnützige Unternehmensinitiative Fairantwortung war erneut als Netzwerkpartner dabei. Danke an alle!
Weitere Informationen zur Future of Fair Finance-Veranstaltungsreihe finden Sie hier: https://www.future-of-fair-finance.de.
Ansprechpartner im FaFin ist Markus Duscha.
Mit Unterstützung von
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